Gastbeitrag: Wie Sie Querdenker zu Ihren Verbündeten machen

26. April 2017

Wenn man Stellenanzeigen liest, ist man sicher: jedes Unternehmen sucht Querdenker*, die „out-of-the-box“ denken können. Hand aufs Herz: Wie viele Querdenker kennen Sie in Ihrem Unternehmen? Und was tun diese eigentlich den ganzen Tag? Denken sie quer oder arbeiten sie in ihrer Box?

Was genau sind Querdenker?

Wichtig: Zur leichteren Lesbarkeit wird die männliche Form genutzt. Frauen sind ausdrücklich mit gemeint.

Der Begriff Querdenker wird mittlerweile so inflationär genutzt, dass echte Querdenker sich davon distanzieren. Ich spreche deshalb von Neudenkern & Neumachern – denn: Denken alleine ändert nichts, man muss auch machen.

Neudenker & Neumacher sind smarte Könner, die sich trauen, Dinge besser zu machen – und zwar früher als die meisten Anderen. Sie mischen am liebsten bei zahlreichen Projekten mit, stoßen neue Themen an, arbeiten viel und schnell und haben den Mut, Neues auszuprobieren. Oft nehmen sie eine (inoffizielle) Führungsrolle ein. Mitarbeiter und Führungskräfte richten sich nach ihnen, fragen sie um Rat oder bitten um Hilfe.

Kurzum: Sie sind die Mitarbeiter, die jedes Unternehmen braucht, um attraktiv und erfolgreich zu bleiben oder zu werden.

Finden Sie also Neudenker & Neumacher, die mit Ihnen die Zukunft der Arbeit gestalten. Die Chance ist groß, dass Sie bereits welche in Ihrem Team haben. Schätzungsweise 3-5 % Ihrer Mitarbeiter passen in diese Kategorie.

 

Wie erkennen Sie neudenkende & neumachende Bewerber?

  • Die Bewerbung hebt sich äußerlich und inhaltlich von der Masse ab. Eventuell ist es gar keine „richtige“ Bewerbung, sondern eine Kontaktanbahnung.
  • Der Lebenslauf wirft Fragen auf: Diverse Branchen, unterschiedliche Positionen, außergewöhnliche Wechsel, Lücken, Sabbaticals und „unnütze Tätigkeiten“.
  • In den Zeugnissen nehmen Projekte, Erfolge und Zusatzaufgaben (fast) mehr Platz ein als die „normalen“ Aufgaben.

Glückwunsch! Wenn sich so jemand bei Ihnen bewirbt, vertraut er darauf, dass Sie ein Arbeitgeber sind, der offen für Neues ist und ihm einen idealen Raum bietet.

Auf keinen Fall absagen!

Ich weiß, als Recruiter hat man oft ein enges Profil im Kopf und keine Zeit, sich mit „Exoten“ zu beschäftigen. Ich sag’s mal direkt: Das ist ein großer Fehler! Denn: Selbst wenn sie nicht konkret auf eine Stelle passt, lohnt es sich, die Person kennen zu lernen, die offensichtlich aus dem Rahmen fällt.

Machen Sie in jedem Fall den nächsten Schritt und telefonieren Sie miteinander. Stellen Sie viele Fragen, kriegen Sie ein Gefühl für den Menschen und laden Sie ihn am besten zu einem Kennenlerngespräch ein. Wenn Sie innovativ und zukunftsorientiert arbeiten (wollen), werden Sie eine passende Position für dieses Talent finden oder schaffen.

 

So gehen Sie mit Neudenkern & Neumachern um:

  • Nehmen Sie sie ernst, fragen Sie sie nach Ideen und lassen Sie sie machen.
  • Keine Vorgaben, keine Kontrolle und keine Angst vor den Ergebnissen.
  • Halten Sie Routineaufgaben und Administration von ihnen fern.
  • Versuchen Sie erst gar nicht, sie zu führen, folgen Sie ihnen lieber.
  • Geben Sie ihnen das, was sie brauchen: Material, Informationen, Freiraum, Ruhe, Unterstützung, Interesse und viel Vertrauen.
  • Wertschätzen Sie sie!

Wenn Sie zu Neudenkern & Neumachern – auch in anderen Abteilungen – ein gutes und enges Verhältnis pflegen, haben Sie sehr viel davon. Diese sind nicht nur gut vernetzt und informiert, das heißt, sie kennen Trends und Entwicklungen. Sie sind auch in der Lage, diese in Ihrem Unternehmen anzustoßen und umzusetzen. Holen Sie sich „Ihre“ smarten Könner also ins Boot und nutzen sie ihre Talente. Gemeinsam werden Sie Mammutaufgaben spielend lösen.

 

Positive Folgen für Sie:

 Sie werden loyale Verbündete finden, und gemeinsam werden Sie Neues entwickeln. Ihre Abteilung steigt im Ansehen, man sieht Sie als Partner auf Augenhöhe und Sie sichern Ihre eigenen Arbeitsplätze. Außerdem entwickeln Sie sich selbst weiter, haben die Chance, Ihre Talente einzusetzen und haben jeden Tag Freude an Ihrer Arbeit. Ihre Mitarbeiter und das Management werden viel davon haben, wenn Sie gestalten statt verwalten. Tun Sie es! 

PS: Wenn Neudenker & Neumacher ihre Ideen im Job nicht umsetzen dürfen, machen sie das einfach außerhalb der Arbeit: im Verein, im Ehrenamt, bei einer Weiterbildung oder im selbst gegründeten Unternehmen. Oder sie suchen sich einen Job bei einem Unternehmen, bei dem sie all das dürfen!

 

Über die Autorin: Als ehemalige Personalerin weiß Gaby Feile, wie anstrengend es sein kann, den unterschiedlichen Erwartungen gerecht zu werden. Als Neudenkerin & Neumacherin kennt sie Wege aus dem Dilemma. Offen, flexibel und außerhalb der Box zusammen zu arbeiten ist dafür der erste Schritt.

 Mehr zu Gaby Feile und ihren Ideen gibt’s hier: kommboutique.com