Wege und Strategien aus der Krise – Experten-Interview mit Markus Brehler | Scale up

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[München – 03.04.2020] Wir fragen – HR-Experten mit diversen fachlichen Hintergründen antworten. Diese reflektierten Perspektiven und Einschätzungen sollen ein Stück weit dabei helfen, die aktuell für viele unübersichtliche Situation im Zuge der Corona-Krise und die damit verbundene Informationsflut etwas besser zu sortieren: Was sind direkte Auswirkungen, substantielle Herausforderungen, aber auch welche Strategien braucht es und wo ergeben sich Chancen. Es gilt, für uns alle besser zu verstehen, was nun wirklich wichtig ist – speziell für Startups und KMU, aber auch für andere Organisationen. 

“Klar auf den Punkt gebracht: Ohne schnelle (Re-)Fokussierung droht die Insolvenz.”

Was tun in der Corona-Krise? Wir fragen HR Experten zu den Herausforderungen, Strategien und Chancen 
(9) … heute mit: Markus Brehler von Scale up

Anmerkung: Mit der im Folgenden verwendeten Bezeichnung “kleinere Unternehmen” sind primär Startups, KMU und auch Non-Profit-Organisationen in einer Beschäftigtengrößenklasse von bis zu 50 Mitarbeitern gemeint. Gleichwohl treffen die von den Experten genannten Aspekte vielfach auch auf größere Organisationen mit mehreren Hundert oder Tausend Beschäftigten zu. 

Themenfeld: "Risiken, Herausforderungen und Auswirkungen der Krise"

staffboard: Markus, welche Herausforderungen siehst Du durch die aktuelle Corona-Krise auf (kleinere) Unternehmen zukommen, speziell im Kontext Deiner Expertise als Serial Entrepreneur im Hightech-Umfeld?  

Markus Brehler: Im Wesentlichen sind es drei große Herausforderungen, die nun bei den meisten beziehungsweise allen Unternehmen zusammenkommen: Ein Liquiditätsengpass, eine mangelnde Prognose der Zukunft und sich ändernde Geschäftsmodelle. All das zusammengenommen ist es schon eine sehr herausfordernde Situation.

Warum ist das aus Deiner Sicht “mission critical” für viele (kleinere) Unternehmen und damit potentiell gefährlich für deren Fortbestehen?

Klar auf den Punkt gebracht muss man sagen: Ohne schnelle (Re-)Fokussierung droht die Insolvenz.  

“Die Menschen in den Unternehmen brauchen Klarheit zur kurzfristigen Ausrichtung und der Priorität jetzt, das startet mit Alignment im Management.

Themenfeld: "Mitarbeiter, Führung und HR"

Aus Deiner bisherigen Erfahrung als mehrfacher CEO: Was macht diese Situation mit den Menschen? Und welche Effekte erwartest Du für die Führungskräfte und Mitarbeiter in (kleineren) Unternehmen? Was braucht es, um zielgerichtet damit umzugehen?

Die Menschen in den Unternehmen brauchen Klarheit zur kurzfristigen Ausrichtung und der Priorität jetzt, das startet mit Alignment im Management. Des weiteren brauchen sie definierte Freiräume, sowohl inhaltlich als auch von der Haltung – den Kernüberzeugungen des Unternehmens, um im Home-Office handlungsfähig zu sein. 

Wie bewertest Du die Rolle von HR (Human Resources / Human Relations / Personalwesen)? Was kann – oder sogar: muss – HR tun, um eventuell gegenzusteuern und die Organisation weiter zu stabilisieren? 

Die Stimmung im Home-Office und gegebenenfalls in der Fertigung/Logistik ist zu beobachten und zu steuern. Welche gemeinsame, positive “Events” sind jetzt möglich? Hat jede Kollegin hinreichend Information und Spielraum um die Aufgaben zu erfüllen? Kommt jeder mit der Situation klar, zum Beispiel mit Kindern im Home-Office?

Themenfeld: "Digitalisierung, Kompetenzen und Mindset"

Welche Sofortmaßnahmen können (kleinere) Unternehmen direkt ergreifen, um weiterhin handlungsfähig zu bleiben? Gibt es eventuell ganz konkrete Handlungsanweisungen speziell aus Deiner Perspektive? 

Als erstes sehe ich eine konkrete Situationsanalyse: Ist unser Geschäft begünstigt, beeinträchtigt, massiv beeinträchtigt? 
Im Anschluss daran sind entsprechende Szenarien zu entwickeln und in die Umsetzung zu bringen. Bei Beeinträchtigung muss sofort und hart auf die Kostenbremse getreten werden! Dazu gehört auch: Liquiditätsplanung aufstellen, Zahlungsausfälle berücksichtigen! Dies alles am besten nicht nicht im stillen Kämmerlein, sondern abgestimmt mit dem Führungsteam. Und hilfreich ist auch, einen sog. “Situation Room” einrichten mit allen Informationen. 
Danach muss eine Webmeeting Plattform etabliert werden und es wird nötig sein, einen Meeting-Rhythmus konsequent umzusetzen: tägliche Synchronisation der Teams (Done, Doing, Stuck), wöchentliche Sprints, und so weiter.

Welches Mindset bzw. Einstellung und welche Kompetenzen brauchen (kleinere) Unternehmen, um gestärkt aus dieser Krisensituation hervorzugehen? Wie zeigt sich das konkret?

Ich mache es kurz: Es gilt den den Blick auf die Chancen richten und die Liquidität managen. 

Wie beurteilst Du die Rolle der Digitalisierung, um Antworten in der Krise zu finden? 

Die Digitalisierung wird sich durch die Corona-Krise massiv beschleunigen. Alle Prozesse werden jetzt schneller digitalisiert werden – ganz einfach deshalb, weil jeder gelernt hat, dass es funktioniert und effizient ist. Und dazu wird sicher auch der Bereich HR gehören.

“Jeder, der auf Digitalisierung setzt, kann neue Chancen generieren. Es wird keine Rückkehr zum Status ante geben. Die Menschen ändern jetzt ihr Verhalten. Wer da nah dran ist und ständig neue Angebote testet, wird herausfinden, wo seine Chancen liegen!”

Themenfeld: "Chancen, Gewinner und Ausblick"

Lass uns eine Plattitüde bemühen: Gemeinhin heißt es, dass jede Krise auch neue Chancen mit sich bringt. Wie siehst Du das? Welche Chancen siehst Du und warum?

Jeder der auf Digitalisierung setzt, kann neue Chancen generieren. Es wird keine Rückkehr zum Status ante geben. Die Menschen ändern jetzt ihr Verhalten. Wer da nah dran ist und ständig neue Angebote testet, wird herausfinden, wo seine Chancen liegen!

Über unseren heutigen HR Experten: 

Markus Brehler hat als Seriengründer mehrere Hightech Start-ups aufgebaut, zuletzt als CEO der Caterva GmbH in Pullach/München.Caterva hat ein Betriebssystem für intelligente, vernetzte Stromspeicher entwickelt. Zuvor hat er die EnOcean GmbH, Pionier der batterielosen Funktechnik und Synonym für flexible, energieeffiziente Gebäude, aufgebaut.Nach dem Studium der Elektrotechnik startete er seine Karriere im Siemens-Konzern. 
Seine Spezialkompetenz ist die Kombination aus Technik und Geschäft – in der Praxis bewiesen und mit soliden Grundlagen versehen durch einen Executive MBA an den Hochschulen MIT, Stanford, INSEAD und Indian Institute of Management. 

Als Scale up Partner kann er zwei Dinge kombinieren die ihm Freude bereiten: (1) den Dingen auf den Grund gehen und (2) Unternehmen dabei unterstützen, erfolgreicher und nachhaltiger zu agieren.

Markus Brehlers Expertise und fachlich-inhaltlicher Hintergrund: 

  • Veränderungsprozesse/Wandel/Change Management
  • Organisationsentwicklung
  • Unternehmenskultur & Werte
  • Lean Management & Agilität
  • Aufbau und Skalierung von HR-Prozessen und Organisationsstrukturen
  • Serial (Digital/Tech) Entrepreneur
  • Unternehmensstrategie
  • Beratung von Unternehmen in (wirtschaftlichen) Krisensituationen
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